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„Konditionierung“ beim Menschen: Ankern
Wenn eine bewusste Verknüpfung zwischen einem äußeren Reiz mit einer bestehenden Erfahrung geschaffen wird, sprechen wir davon, dass ein Anker gesetzt oder installiert wird. Dabei können alle Sinneskanäle genutzt werden. Es kann sich um eine Geste, ein Wort, ein Bild, einen Geruch oder Geschmack handeln.
Anker werden häufig automatisch beim ersten Auftreten einer Situation gesetzt, es sind also nicht unbedingt mehrere Wiederholungen des Reiz-Reaktions-Zusammenhangs nötig. Wird durch den Reiz eine sehr starke innere Reaktion ausgelöst, dann kann durch diesen einen Versuch eine lebenslängliche Verknüpfung zwischen Reiz und Reaktion hergestellt werden.
Vielleicht hast du dich als Kind einmal an der heißen Herdplatte verbrannt? Danach hast du sicher nie mehr auf die Herdplatte gefasst. Dieses eine Mal hat gelangt, um die Verknüpfung zwischen Herdplatte und Schmerz herzustellen. Die Herdplatte ist für dich also zum Anker für Schmerz geworden.
Die meisten Phobien entstehen so: Eine einzige, sehr heftige Lernerfahrung reicht aus und prägt sich für immer ein. Es langt, einmal im Aufzug stecken zu bleiben, um ein ganzes Leben lang Angst vor Aufzügen zu haben.
Auch innere Zustände können als Anker dienen. So kann zum Beispiel ein bestimmtes Verhalten deines Hundes bei dir zum Anker für Ärger werden. Oder ein fremder Hund nähert sich und löst bei dir einen Anker für Unruhe aus. Anker wirken in bestimmten Situationen wie ein Autopilot, es scheint so, als ob wir keinen Einfluss auf unsere Reaktion haben.
Anker kannst du selbst setzen (und auch löschen), sie können aber auch durch andere gesetzt und ausgelöst werden. Man spricht von Selbst- und Fremdankern.
Damit ein Anker erfolgreich installiert werden kann, müssen einige Kriterien erfüllt sein:
Intensität
Der Zustand, der geankert wird, muss sehr stark gewesen sein. Bitte mache dir bewusst, dass wir mit einem Anker keinen Zustand erzeugen, sondern dass wir einen erlebten Zustand festhalten. Stelle dir also die Situation, die den Zustand erzeugt, den du ankern willst, so intensiv wie möglich vor (VAKOG). Was siehst du in dieser Situation? Vielleicht hörst du etwas? Gibt es einen Geruch oder einen Geschmack, der mit dieser Situation zusammenhängt? Was für ein Gefühl ruft dieser Zustand hervor? Wie genau fühlt sich dieses Gefühl an? Wo fühlst du es?
Genauigkeit
Wähle einen Anker, den du später genau so wieder treffen kannst. Wird nicht der genaue Ort des Ankers wieder getroffen, dann wird der Anker nicht mit der möglichen Intensität funktionieren.
Einzigartigkeit
Benutze den gewählten Anker nur für genau einen Zustand. Wenn du ihn für verschiedene Zustände benutzt, dann werden sich diese Zustände vermischen. Nimm einen Anker, den du sonst im täglichen Leben nicht nutzt. Ein Handschlag eignet sich nicht, der würde nämlich ständig überlagert werden durch die damit verbundenen unterschiedlichen Erfahrungen.
Im Hundesport lassen wir die Hände seitlich am Körper herunterhängen. Da würde es sich anbieten, eine bestimme Stelle am Oberschenkel zu drücken. Oder den Daumen und Mittelfinger der rechten Hand zu drücken. Sicher fallen dir auch noch andere Möglichkeiten ein.
Reinheit
Achte darauf, dass der Zustand nicht von negativen Begleitgefühlen überschattet ist. Wenn du dich an einen positiven Zustand erinnerst, aber gleichzeitig daran denkst, dass diese schöne Zeit leider vorbei ist, dann wird dieses Gefühl der Traurigkeit ebenfalls geankert. Deshalb sollte der geankerte Zustand so „rein“ wie möglich sein.
Timing
Der Anker muss gesetzt werden, kurz bevor wir das Maximum des Gefühls erreicht haben und wird mit dem Ansteigen der Erregung verstärkt. Bei einem kinästhetischen Anker wird also der Druck gesteigert. Es ist sehr wichtig, rechtzeitig aufzuhören, damit nicht der Abschwung des Gefühls mitgeankert wird.
Um die geankerte Erfahrung später auszulösen, wird der Anker abgefeuert. Wenn du einen Körperanker gesetzt hast, dann drückst du diese Körperstelle und aktivierst dadurch die vorher geankerte Erfahrung.
Schwierigkeiten?
Es ist anfangs oft schwierig, das Gefühl des gewünschten Zustands genau zu beschreiben. Wenn ich im Coaching frage: „Wie willst du dich fühlen?“ dann erhalte ich oft als Antwort: „Gut“. Wir sind es gewohnt, Gefühle zu benennen, haben aber Probleme, sie auch bewusst zu spüren.
Es sind aber genau diese Gefühle, die wir ankern wollen, deshalb ist es so wichtig, ihnen nachzuspüren und sie so genau wie möglich zu beschreiben. Du wirst merken, das klappt mit Übung immer besser.
Wenn ein Anker nicht wirkt, kann das mehrere Ursachen haben:
- der Anker wurde nicht gesetzt, als die Situation am intensivsten erlebt wurde
- die ausgewählte Situation ist nicht mächtig genug
- die Ankerstelle ist nicht geeignet, es kommt zu Überschattungen
- die Ankerstelle ist nicht eindeutig wieder zu finden.
Versuche es noch einmal und achte auf die Punkte.
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